September 2004

Ein Traum wird wahr.

Eine ereignisreiche Woche liegt hinter uns. Das Teakdeck wurde rechtzeitig fertig und der Termin zum Slippen ist fixiert. Pünktlich und ohne Probleme kommt das Schiff aus der Halle und wird in der etwa 1 km entfernten Slip zu Wasser gelassen. Es ist 14:00 Uhr als wir im Wasser sind und wir nutzen die nächste Stunde zum Üben auf den Kanälen von Lemmer, denn der Brückenwärter macht bis 15:00 Uhr Pause. Anschließend passieren wir die 3











Brücken von Lemmer und gelangen über die kleine Lemstersluis ins Ijsselmeer. Wir sind das einzige Schiff, so dass uns die Brücken- und Schleusenwärter mit interessierten Fragen und Glückwünschen zu unserer schönen neuen Koopmans überhäufen. Gegen späten Nachmittag erreichen wir den Jachthafen De Punt.

Am nächsten Morgen gegen 8:00 Uhr treffe ich dort Carsten Burfeind von Hahnfeld- Masten aus Bremen. Wir beginnen, das Rigg vorzubereite n. Glücklicherweise ist es windstill und es ist ein herrlicher Spätsommertag. Gegen 10:30 Uhr ist alles klar und wir nehmen den Mast auf den Haken. Zuerst fixieren wir die Ober-, Mittel- und Unterwanten und spannen den Mast mit Groß- und Genuafall vorn und achtern ab. Die Längen für die Wanten hatten wir vorher berechnet und vermessen und - oh Wunder - sie passen. Das Stellen des Mastes dauert gerade 30 Minuten, das freut mich besonders, denn nur diese Zeit muss an den Hafenmeister bezahlt werden. Nachdem das Rigg provisorisch steht, ziehe ich Carsten Burfeind in den Masttop und wir vermessen die genaue Länge für das Klüver-, Fock- und Achterstag. Ich hatte kurz zuvor extra unsere einzige elektrische Winsch installiert. Wer schon mal einen Mann 20 m hoch










in den Mast gezogen hat, weiß den Vorteil eines elektrischen Antriebes zu schätzen. Das Vermessen des Achterstags war eine richtige Aufgabe. Da wir achtern einen Hahnepot nutzen, liegt der Messpunkt der Umlenkrolle in ca. 5 m Höhe. Auch eine Dose Red Bull hilft da nicht wirklich weiter, aber eine Kamera mit Zoomobjektiv. Also habe ich von dem Messpunkt ein Foto geschossen, das wir dann auswerten.
Als nächstes längen wir die Stagen ab und montieren die beiden Rollanlagen. Zuerst wird die Klüveranlage im Masttop fixiert, die Montage am Bugbeschlag wird zum Kraftakt. Die Rollanlage muss dafür hart durchgesetzt werden, das schaffen wir nur, indem wir die Ankerwinsch zur Hilfe nehmen. Das Setzen der Rollfockanlage ist dagegen ein Kinderspiel, wenn man davon absieht, dass wir ein Fall am Top vergessen haben. Dieses Mal gehe










ich in den Mast rauf. Nicht ohne die Kamera mitzunehmen.
Die Montage des Baumes verläuft schnell und problemlos.
Zum Schluss fertigen wir noch die Relingsdurchzüge und sind gegen 19:00 Uhr fertig.
Die letzte Brücke in Lemmer wird bis 20:00 Uhr geöffnet, Wir sind nicht sicher, dass wir das









schaffen und haben wenig Lust, eine Nacht zwischen zwei Brücken zu verbringen. Also nehmen wir den Weg übers Ijsselmeer zur Prinses Margriet Schleuse. Bei diesem Wetter die richtige Entscheidung. Wir fahren über spiegelglattes Wasser in einen herrlichen Sonnenuntergang. In der Schleuse legen wir hinter einem Binnenschiff an und sind um 21:00 Uhr wieder zu Hause an unserem Liegeplatz.








Freitagmorgen veranstalten wir erst einmal Großputz. Der Holzstaub und der Schmutz aus der Halle müssen vom Schiff geschrubbt und gespült werden. Auch innen wird alles feucht abgewischt, denn der Polsterer hat sich angesagt. Er erscheint pünktlich am Vormittag und baut die Polster ein. Wir dürfen nicht an Bord. Erst nachdem er fertig ist, präsentiert er seine Arbeit. Wir sind begeistert! Er hat wirklich gute Arbeit







geleistet.

Wir haben kaum Wind und schlagen das Großsegel an. Das ist einfacher gesagt als getan. Das Segel wiegt über 60 kg und hat eine Unterlieklänge von über 6 m. Da braucht man schon zwei Dosen Spinat, um das zu bewältigen. Das Setzen des Segels geht problemlos, dafür haben wir ja eine elektrische Winsch, aber das Auftuchen mit unseren noch provisorischen Lazy Jacks gestaltet sich am Anfang problematisch. 6 durchgehende Latten und noch steifes Hydranet wollen nicht so wie wir. Wie soll das erst bei Starkwind werden? Aber Technik ersetzt Kraft und nach einigen Versuchen (die Winde glüht), bergen wir das Segel mit mäßigem Kraftaufwand.
Die letzte große Aufgabe dieses Tages besteht im Anzünden unseres Grills. Wir sind geschafft aber glücklich! Innerhalb weniger Tage ist aus der “Baustelle” eine richtige Segelyacht geworden.

 

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